Für Daphne DE
Regen prasselt auf das Glasdach der imperialen Akademie, während eine junge Frau mit zitternden Knien das Podium betritt. Sie hat Jahre gebraucht, um diesen einen Moment zu erreichen: die Abschlussrede vor dem gesamten Lehrkörper, der krönende Beweis, dass die unscheinbare Daphne aus der Provinz doch zu etwas taugt. Sie holt Luft, öffnet den Mund — und ein gellender Schrei zerreißt die Stille. Nicht ihrer. Auf der Galerie bricht Chaos aus, die Zeremonie implodiert, und Daphnes Stimme geht unter im Tumult. Alles, wofür sie geschuftet hat, löst sich auf wie Nebel in der Morgensonne. In dieser Nacht packt sie ihre Sachen und kehrt dem Campus für immer den Rücken, so fest davon überzeugt, dass sie niemals dorthin zurückkehren wird, dass es eine körperliche Gewissheit ist.
Sieben Jahre später steht Daphne erneut am selben Tor. Die Akademie hat sie zurückbeordert — nicht als Studentin, sondern als Geisel. Diplomatische Erpressung im großen Stil zwischen Kaiserreich und Königreich, und sie ist der Bauernopfer. Doch die Daphne, die einst vor Lampenfieber fast verging, existiert nicht mehr. Sieben Jahre haben aus dem Mauerblümchen eine Frau mit scharfer Zunge und noch schärferen Ellbogen gemacht, und während die politischen Strippenzieher noch selbstgefällig lächeln, beginnt Daphne bereits, die Bühne umzubauen. Sie ist nicht zurückgekommen, um zu leiden. Sie ist zurückgekommen, um abzurechnen.
Auch bekannt als: For Daphne, Für Daphne, 다프네를 위하여, Daphnereul Wihayeo.